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Winterthur
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Original des Monats

Die Sammlungen der Winterthurer Bibliotheken umfassen über 1000 Laufmeter Handschriften, rund 180‘000 Bilddokumente und etwa 120‘000 Alte Drucke. Aus dieser Fülle präsentiert die Sammlung Winterthur alle zwei Monate ein historisches Dokument, das jeweils ab 13.30 Uhr bis zur Schliessung im 4. Obergeschoss der Stadtbibliothek am roten Tisch einsehbar ist.

 

November / Dezember 2017

Aus der Bibelsammlung

Ohne Bücher, keine Bibliothek – das war zur Zeit der Gründung der Bürgerbibliothek Winterthur im Jahre 1660 noch unbestritten. Um die neue Bibliothek zu einem «Berg Parnass, wo die Musen ihre leiblichen Speisen einnehmen und sich vergnügen» zu machen, mussten Bücher her, viele Bücher. So baten ihre Gründerväter um Gaben und liessen ein erstes kleines Donatorenbüchlein zirkulieren. Unter den Spendern der ersten Stunde waren nicht wenige Pfarrherren aus der Winterthurer Umgebung, und so verwundert es nicht, dass unter den 1200 Geschenken, die von 1660 bis 1662 gesammelt wurden, auch viele Bibeln waren.
Die ältesten davon stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, darunter auch solche aus der Zürcher Druckerei von Christoph Froschauer. Dass Bibeln auch in späteren Jahren zu den häufig gespendeten Büchern gehörten, zeigt ein Blick in den 1908 angelegten handschriftlichen Katalog der Bibelsammlung. Er verzeichnet über 400 Exemplare in allen möglichen Sprachen, von persischem Urdu über polyglotte Bibeln mit Texten in bis zu 12 Sprachen bis zu einer Ausgabe in Reliefschrift für Blinde. Anlässlich des Reformationsjubiläums – und auch ein bisschen, weil Weihnachten schon bald wieder vor der Tür steht – widmet sich das Original der Monate November / Dezember 2017 der vielfältigen Verbreitung der «Heiligen Schrift» und zeigt eine Auswahl aus der Winterthurer Bibelsammlung. Für einmal darf man ruhig vor lauter Bücher die Bibliothek nicht mehr sehen!

September / Oktober 2017

Fotonachlass Robert Rittmeyer

Als der aus dem Kanton St. Gallen stammende junge Architekt Robert Rittmeyer 1898 ans Technikum Winterthur berufen wurde, gab es in dieser Stadt weder ein öffentliches Schwimmbad noch ein Kunstmuseum. 1905 eröffnete er zusammen mit Walter Furrer ein Architekturbüro, fast 30 Jahre lang arbeiteten sie hier zusammen. In dieser Zeit wurde in Winterthur nicht nur das Museums- und Bibliotheksgebäude oder das Schwimmbad Geiselweid gebaut, sondern auch der monumentale Volkart-Rundbau, der Friedhof Rosenberg und viele private Wohnhäuser. Die Liste der im Hause Rittmeyer und Furrer entworfenen Bauten ist lang und auch reich an Standorten ausserhalb der Stadt. Es durfte sogar auch mal ein Schiff – beziehungsweise seine Innenausstattung – auf dem Vierwaldstättersee sein! Der Fotonachlass von Robert Rittmeyer, bestehend aus unzähligen Innen- und Aussenaufnahmen von öffentlichen und privaten Gebäuden, fotografiert vom Winterthurer Fotografen Hermann Linck, ist eine Augenweide, nicht nur für Freunde der Architektur!

 

Foto Rittmeyer 1-6

Juli / August 2017

Die Winterthurer Aktion gegen die Schundliteratur im Herbst 1955 – Ein Bericht von Stadtrat Emil Frei, 1956

„Magisch Lesen“ – das Motto des diesjährigen Lesesommers, wo alles Lesbare als Lesefutter gilt und der Zauber des Lesens auch beim Lesen eines Krimis oder Comics spürbar werden soll – wäre noch vor gut einem halben Jahrhundert  undenkbar gewesen. Im Herbst 1955 startete das Schulamt der Stadt Winterthur unter anderem auch unter der Mitwirkung des hiesigen Stadtbibliothekars eine Aktion zur Bekämpfung der sogenannten „Schundliteratur“ in Winterthur. Zur unerwünschten Literatur zählten die Herren Schulräte, Bibliothekare und Buchhändler „Revolver- und Liebesseufzerheftli“, aber auch Comics, die nur wenig Text aufwiesen. Sie alle hatten den Ruf, das Wort verkümmern zu lassen, und sollten aus den Winterthurer Haushalten verschwinden. Konkret wurde „die Vernichtung der in den Häuser aufgestappelten Schundhefte“ gefordert. Dazu liess der Schulrat Plakate mit der Aufschrift „Hände weg vom Schundheft!“ in der ganzen Stadt aufhängen.  Und er rief eine grossangelegte Umtauschaktion ins Leben: Schundhefte konnten gegen  „gute Bücher“ eingetauscht werden. Statt „billiger Kitsch“, sollten die Kinder und Jugendlichen Weltliteratur lesen, den Zeitungskiosk meiden, dafür aber den Weg in den Buchladen finden. Mit einem Jeep, den die Stadtgärtnerei für die Aktion zu Verfügung stellte, sammelten Winterthurer Kantonsschülern über 75‘000 Hefte ein und vernichteten in der Folge 3,5 Tonnen Papier!

 

Frei, Emil: Die Winterthurer Aktion gegen die Schundliteratur im Herbst 1955, Winterthur 1956 Ms 4˚ 493

 

Link: PDF Die Winterthurer Aktion gegen Schundliteratur, Ms 4˚ 493(PDF, 1.8 MB)
Link: Film über die Schundaktion in Brugg von 1965

Mai / Juni 2017

Die Kaisertage in der Schweiz

«Der Kaiser kommt!» – hallte es Anfang September 1912 durch die Berner Gassen. Gross war die Aufregung vor dem hohen Besuch von Kaiser Wilhelm II. in der Bundeshauptstadt, und gross waren auch die Vorbereitungen im Vorfeld. Die Fassaden der Altstadt wurden auf Hochglanz poliert und die Strassen blitzblank gefegt. «Bern macht Toilette» lautet die Bildunterschrift zu den wischenden Frauen, eine von 53 Fotografien und Illustrationen im Separatdruck der Schweizer Illustrierten Zeitung zur Erinnerung an dieses epochale Ereignis. Doch nicht nur Bern machte sich für den Kaiserbesuch schön, auch Zürich und Frauenfeld putzten sich heraus und empfingen Wilhelm II. mit viel Pomp. Noch nie sei hierzulande ein ausländischer Gast mit mehr Brimborium gefeiert worden als anno 1912, schreibt die Neue Zürcher Zeitung 100 Jahre später in einem Rückblick auf den Kaiserbesuch. Aber auch, dass nicht überall in der Schweiz Kaiserwetter herrschte. Die Romandie war prinzipiell skeptisch eingestellt gegenüber dem Verhältnis zu Deutschland, und wenig von Wilhelms II. Besuch hielten die Sozialisten. So erstaunt es nicht, dass die Winterthurer Arbeiterzeitung das Ereignis in ihrer Berichterstattung schlichtweg ignorierte, während das Neue Winterthurer Tagblatt und der Landbote ausführlichst darüber berichteten.

 

Die Kaisertage in der Schweiz - Separatdruck der Schweizer Illustrierten Zeitung zur Erinnerung an den Besuch von Kaiser Wilhelm II. in der Schweiz vom 4. bis 8. September 1912, Quart 1039/24

 

Mehr zum „Reiseziel Schweiz“ am Samstag, 10. Juni in der Sammlung Winterthur. Schweizer Ansichten und Reisebücher zum drin Schmökern.

März / April 2017

L‘ Architecture – Burgen der Schweiz – Aquarelle von Julius Rieter 1855

Bald schon wieder startet die Burgsaison. Am 1. April öffnet die Kyburg wieder ihre Tore für Besucherinnen und Besucher, ab 30. April ist auch das Schloss Hegi mit Schlossschenke wieder geöffnet. Einen Vorgeschmack auf den Besuch der Winterthurer aber auch anderer Schweizer Burgen geben die Aquarelle des Winterthurer Landschaftsmalers Julius Rieter (1830-1897). Er hat sich in seinem Band  «L‘ Architecture» von 1855 nicht nur den Winterthurer Burgen wie Alt-Wülflingen, dem Schloss Hegi, der Kyburg oder der Mörsburg gewidmet, sondern war in der ganzen Schweiz unterwegs. So finden sich in seinem Werk auch zahlreiche andere Schweizer Burgen, wie das Schloss Rhäzüns oder das Chateau de Chillon in Genf. Aber nicht nur Burgen-Fans kommen beim Betrachten dieses schmucken Bandes auf ihre Kosten!

 

L‘ Architecture von Julius Rieter (1855), ALBU_1-022

Januar / Februar 2017

Gästebücher der Literarischen Vereinigung Winterthur (1918-2015)

Foto: Angelika Maass

Vor hundert Jahren gründete ein kleiner Kreis von Winterthurer Literaturinteressierten die «Literarische Vereinigung Winterthur» (LVW). Die hundertjährige Geschichte dieser noch heute aktiven Vereinigung lässt sich aktuell im 352. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek, Informierter Eigensinn. Die Literarische Vereinigung Winterthur 1917-2017 (erscheint am 16. Januar 2017) nachlesen. Aber nicht nur dort. Auch die seit der Gründung geführten Gästebücher der «Literarischen», in denen sich ein Grossteil der eingeladenen Autorinnen und Autoren eingetragen hatte, widerspiegeln einen wichtigen Aspekt der Geschichte der LVW, die seit ihrem Bestehen kontinuierlich (grosse) Literatur nach Winterthur holt. Thomas Mann, Alfred Döblin, Max Frisch, Hilde Domin, Elias Canetti, Günter Grass, Herta Müller, Ernst Jandl und viele andere mehr. Sie alle waren da und haben sich mit kürzeren oder längeren, ernsten oder scherzhaften Einträgen in den Gästebüchern der LVW «verewigt».

 

Gästebücher der Literarischen Vereinigung Winterthur, Dep LVW

November / Dezember 2016

Postkarte mit Bild der Schuhhandlung C.F. Bross-Liechti am Untertor 22 von 1916

Schuhe, Schuhe, Schuhe … Im Haus «Zur Ehrfurcht» am Untertor führte vor hundert Jahren Friedrich Bross die Schuhhandlung C.F. Bross-Liechti. Neben Schuhen aus einheimischer Produktion verkaufte er, wie die Abbildung auf der Postkarte deutlich macht, auch Schuhe aus der Fabrik von Carl Franz Bally. Die Herstellung von Schuhen war über Jahrhunderte ein handwerklich geprägtes Gewerbe. Die meisten Leute kauften ihre Schuhe so dann auch bei den ansässigen Handwerkern ein. Wenige nahmen das Angebot von Händlern an, die Schuhe aus Deutschland und Frankreich anboten. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte dann die maschinelle Schuhproduktion ein. Die erste Schuhfabrik der Schweiz wurde 1847 in Winterthur gegründet. Fortan erfolgte die Herstellung eines Schuhs nicht mehr als Ganzes, sondern wurde in einzelne Arbeitsschritte eingeteilt. Bis zum Ersten Weltkrieg wuchs die Schuhindustrie in der Schweiz stetig. Während des Ersten Weltkrieges generierte sie aufgrund der grossen Nachfrage nach Militärschuhen und der fehlenden ausländischen Konkurrenz sogar Rekordumsätze. So gab es in Winterthur 1916 neben 44 Schuhmachern, die in und rund um die Altstadt tätig waren, im Neuwiesenquartier zwei Schuhfabriken und an die 15 Schuhhandlungen, die deren Produkte und die anderer Schuhproduzenten verkauften. Der Laden am Untertor widmet sich, nachdem die Schuhhandlung ein paar Mal den Besitzer gewechselt hatte und zeitweilig einem Musikgeschäft weichen musste, heute wieder dem Verkauf von Schuhen.

 

Postkarte, Untertor 22, «Ehrfurcht», Schuhhandlung C.F. Bross-Liechti 1916, Bildarchiv Winterthur online, Untertor 30_14

September / Oktober 2016

Fotoalbum der Firma Gebendinger & Hörni – Fourage Geschäft in Oberwinterthur, 1902

Fotoalbum Gebedinger

Dass Stroh und Heu über Jahrhunderte nicht nur ein wichtiges Futtermittel war, sondern daraus neben Hüten und Strohmatten auch Seile und sogar Schmuckstücke geflochten wurden, ist heute aus dem Bewusstsein der meisten Leute verschwunden. In Winterthur kümmerte sich als eine der ersten die Firma Gebendinger & Hörni um den Import und die Verarbeitung von Heu und Stroh. Ihr erster Erwerbszweig war die maschinelle Verarbeitung von Heu, das sie mittels eines Heuschneiders säuberten und zu Häcksel verarbeiteten. Besonders beliebt waren die in Säcke abgefüllten Häcksel bei Fuhrhaltereibetriebe in der Stadt und den Berggebieten, die damit ihre Pferde fütterten. Aufgrund der grossen Nachfrage verliess die Familie Gebendinger-Hoerni 1904 ihre Produktion am Reitweg und baute vis-à-vis des Bahnhofs Oberwinterthur eine grössere Fabrikhalle. Bis 1916 entwickelte sich die Firma zu einer der führenden Betriebe in der Futtermittelproduktion für Pferde, der sogenannten Fouragebranche. Als mit dem 1. Weltkrieg der motorisierte Transport aufkam und der Pferdezug durch Motorlastwagen ersetzt wurde, brach die Nachfrage nach Pferdefutter stark ein. Die Firma musste in der Folge auf Ersatzprodukte umstellen. Neben der Produktion von Raufutter für Schweine und Geflügel wurde nun auch verschiedene Strohartikel produziert: Strohhülsen, Strohmatten, Strohseile oder Strohfrostschirme, die zum Schutz der Reben vor Frost eingesetzt werden konnten. Im reich bebilderten Album der Firma Gebendinger & Hörni finden sich neben zahlreichen Abbildungen zur Infrastruktur des Betriebs wie Heuschneiderei, Häckselstuhl, Schneidestühle, Häckselsortiertrommel, Strohmattenmaschine und Ballenpresse auch Fotos zum Brand der Fabrik von 1925, zum Wiederaufbau der Produktionsstätte, zu einzelnen Produkten wie Strohbesen oder von einer Lieferung von 15‘000 Frostschirmen nach Flaach.

 

Fotoalbum der Firma Gebendinger & Hörni – Fourage Geschäft in Oberwinterthur (1902), ALBU 1.005

Juli / August 2016

Der Gotthard in Bild und Wort nach der Natur gezeichnet von J.A. Honegger, um 1880

Zeichnung Gotthard

Heidi, Gabi und Sissi heissen die Tunnelbohrmaschinen, die beim kürzlich fertiggestellten Bau des längsten Eisenbahntunnels der Welt am Gotthard im Einsatz waren. Die Maschinen, die den Berg durchbohrten, das Gestein zertrümmerten und abtransportierten sind über 400 Meter lang, zehn Meter hoch und wiegen rund drei Tonnen. Viel, viel kleiner waren da die Maschinen, die gut 100 Jahre zuvor beim Bau des ersten Gotthardtunnels den Arbeitern zur Verfügung standen. Der Bau des ersten damals ebenfalls längsten Tunnels der Welt hat der Zeichnungslehrer J.A. Honegger in einem kleinen Büchlein dokumentiert. Unter den vielen, teilweise auch kolorierten Abbildungen befindet sich auch eine Bohrmaschine während der Arbeit. Diese war kaum höher als ein Arbeiter und bohrte sich mittels komprimierter Luft in den Berg. Die Arbeiter füllten dann die Bohrlöcher mit Dynamit und sprengten sie. Trotz vieler Rückschläge wie Überschwemmungen, Lehm und tödlichen Arbeitsunfällen gelang im Februar 1880 der Durchstich. Mit Böllerschüssen, Freudenfeuer und einem grossen Festessen wurde das Ereignis gefeiert.

J.A Honegger, Der Gotthard in Bild und Wort. Bahn, Strasse und Tunnel. Nach der Natur gezeuchnet, Zürich um 1880, XVII 5759

Mai / Juni 2016

«Horticultura», ein handschriftlich verfasstes Pflanzenbuch von Jakob Bräm, 1661

Jedes Jahr, wenn es Frühling wird, spriesst es nicht nur in den Gärten und auf den Balkonen, sondern auch in den Buchhandlungen und Bibliotheken. Alle Jahre wieder kommt eine Vielzahl Neuerscheinungen von Gartenbüchern und –Ratgebern auf den Markt. Seit Urzeiten wird das Wissen der Pflanzen- und Gartenkunde tradiert und festgehalten. So zum Beispiel auch in «Horticultura», einem handschriftlich verfassten Pflanzenbuch eines gewissen Jakob Bräms aus dem 17. Jahrhundert. Er hat darin ihm bekanntes Wissen über den Anbau und die Kultivierung von Pflanzen zusammengetragen und sich dabei auf das gleichnamige lateinische Werk des Rostocker Professors Peter Lauremberg von 1632 und «etlich anderen Pflanzenbücheren» gestützt. Das über 500 Seiten umfassende Buch enthält nicht nur einige wunderschöne handkolorierte Zeichnungen, wie die eines Mondkalenders oder die Darstellung von «Werkes Züg», sondern auch viele sorgfältige Tuschzeichnungen von Pflanzen, Wurzeln und Knollen. Und nicht zuletzt kann es in Sachen Fachwissen mit den heutigen Neuerscheinungen mithalten. Einziger Knackpunkt: Das Buch ist in einer zwar schönen, doch für heutige Augen nicht so leicht lesbaren Handschrift verfasst.

Jakob Bräm, «Horticultura» (1661), Ms 4° 129

März / April 2016

Donatorenbuch der Bürgerbibliothek

Im Gründungsjahr der Bürgerbibliothek Winterthur 1660 (heute: Winterthurer Bibliotheken) liessen die Initianten der «Büchersammlung» bei Bekannten und Freunden sowie den Winterthurer Bürgern ein Büchlein zirkulieren, in welchem jeder eigenhändig verzeichnen konnte, was er der Bibliothek «aus freijem Willen» beizusteuern gedenke. In wenigen Wochen kamen so 1609 Gulden und 586 Bücher zusammen. Neben dem unscheinbaren Büchlein war aber auch ein prunkvoller Band mit kunstvoll bemaltem Titelblatt für besondere Gaben und Gönner in Gebrauch. In diesem sogenannte «Donatorenbuch» sind die Schenker mit Namen und kunstvoll gemalten Familienwappen sowie den von ihnen übergebenen Gegenständen, Büchern und Geldgaben verzeichnet. Zu den wichtigsten Donatoren gehören die Ratsherren von Winterthur sowie Vertreter der führenden Geschlechter der Stadt. Unter den 1200 Geschenken, die zwischen 1660 und 1662 gesammelt wurden, befanden sich Bibeln in allerlei Sprachen, Klassiker des Altertums, theologische, historische und naturwissenschaftliche Werke sowie Werke zur Münzkunde, antike Münzen und auch ein paar wenige erste Bilder. Belletristik wurde nicht gesammelt, denn die Bibliothek sollte in erster Linie der Bildung dienen, und schöne Literatur besass der Bürger schliesslich zu Hause.

Donatorenbüchlein (1660), Ms 8° 43
Donatorenbuch (1661-1867), Ms fol 222

November / Dezember 2015

Verpackungs- und Etikettensammlung von Ernst Speth

Wie sah es in den Lebensmittelregalen vor hundert Jahren aus? Welcher visuellen Mittel bedienten sich die Werber und Grafiker dieser Zeit, um die Konsumentinnen und Konsumenten von einem Produkt zu überzeugen und sie zum Kauf zu motivieren? – Das dicke grosse Album des Winterthurer Grafiklehrers Ernst Speth gibt einen umfassenden Einblick in die Gebrauchsgrafik um 1900. Er hat nicht nur hunderte Etiketten und Verpackungen von Lebensmitteln, Spirituosen, Seifen und Zigaretten gesammelt, sondern auch Werbepostkarten, Briefköpfe und Visitenkarten. Seine Sammlung gibt einen Eindruck von der Produktewelt und der Wertvorstellungen der damaligen Zeit. Dabei besonders interessant sind die Etiketten und Verpackungen von Kolonialwaren aus dem asiatischen Raum, für welche auf eine ganz andere Werbe-Ikonographie zurückgegriffen wurde als für einheimische Produkte wie Gerber-Chäsli oder Hero-Konserven.

Verpackungs- und Etikettensammlung von Ernst Speth, ALBU 1.044

September / Oktober 2015

Katalog der Bezirks-Gewerbe-Ausstellung in Winterthur 1924

«Jungfrisch, den Hammer keck geschultert, schreitet auf unserem Titelbilde der kernige Gesell ans Werk. Sein Kranz im Haar deutet Festliches!» Mit diesen Worten begrüsste der Katalog der Bezirks-Gewerbe-Ausstellung, die vor knapp 100 Jahren im September 1924 in Winterthur stattfand, seine Besucher und Besucherinnen. Die Gewerbeausstellung war Teil der Kantonalen Zürcherischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gartenbau. Das Ausstellungsareal erstreckte sich vom Technikum über die Reithallen bis zum Zeughausareal. Insgesamt beteiligten sich über 250 Austeller an 150 Ständen an dem Ereignis. Neben Landwirtschaft und Tiervorführungen präsentierte das Gewerbe in einer der vielen Hallen seine Arbeit. Zum Thema Raumkunst  zeigten Schreiner, Tapeziermeister, Maler und Architekten, aber auch Kunstmaler ihre Arbeiten. Es gab eine Halle für das Bekleidungsgewerbe, eine für das graphische Gewerbe und eine zum Thema Lebensmittel mit einer Ausstellungsbäckerei, wo man sich verpflegen konnte. Ziel der Ausstellung war es, die Bedeutung und die Geschichte des Gewerbes für die Stadt Winterthur einem breiten Publikum zu vermitteln und für eigene Produkte zu werben. Dies zu einer Zeit, wo das Gewerbe sich bereits gegen die Konkurrenz durch Fabrikprodukte behaupten musste.

Bezirks-Gewerbe-Ausstellung Winterthur 1924. Buchdruckerei Winterthur vormals G. Binkert A.G. Signatur: XVII_5378/12

Juli / August 2015

Meine Reise durch die Schweiz

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Schweiz zur Tourismusnation par excellence. Ein wichtiger Antrieb dieser Entwicklung war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Bau von Bergbahnen. Aber auch Destinationen im Flachland wie Badekurorte oder die Stadt Bern mit ihrem Ausblick auf die Alpen waren beliebte Reiseziele. Ein eindrückliches Bildzeugnis touristischer Orte in der Schweiz vor 1900 liefert der 1896 erschienene Bildband «Meine Reise durch die Schweiz». Er beinhaltet 792 Fotografien, eine Strassenkarte und eine Eisenbahnnetzkarte der Schweiz. Neben einer Fülle von Stadt- und Dorfansichten birgt der Bildband u.a. Bergpanoramen, Gletscher, Wasserfälle, Seen, Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser sowie Strassen- und Eisenbahnbrücken als ein Zeichen für den damals aufkommenden Verkehr. – Gute Reise!

Meine Reise durch die Schweiz, Paris / Leibzig 1896. Signatur: XVIIa 503

Mai / Juni 2015

Druckschrift aus dem 18. Jahrhundert über ein «erschröckliches Hagel-Wetter» (1715)

Vor genau 300 Jahren suchte am 18. Juni 1715 ein «unglaubliches Hagel-Wetter» Winterthur heim und zerstörte neben vielen Fenstern in der Stadt auch das Getreide auf den Feldern. Der unbekannte Autor mit den Initialen D.W. beschreibt  in einem zweiseitigen Bericht «an einen guten Freund» das Unwetter, das sich offenbar schon am Vortag durch «starcken Nebel» und Regen ankündigte. Am Tag des Unwetters selber seien am Himmel «grosse, schwarze, bergichte und stotzende Wolken» auf beiden Seiten der Stadt aufgezogen. Der Wind habe zu blasen angefangen, bis die Wolken über der Stadt «zusammen gestossen» seien. Auf Regen folgte Hagel.  «Steine» seien vom Himmel gefallen, wie «Ganss- und Huenereyer, ja noch grössere». Das Unwetter sei von Gott nach Winterthur geschickt worden, schreibt D.W. um seine Gerechtigkeit walten zu lassen und die Menschen dazu aufzurufen, Busse für ihre Sünden zu tun. Im Besonderen nimmt er Bezug auf den Albantag, wo das «bishar getribene» übermässige Essen und Trinken zukünftig unterlassen werden soll.
Der ausführliche Text über das Unwetter mit dem Titel «Eigentliche Beschreibung / Des schröcklichen Hagel-Wetters / Welches zu Winterthur und selbiger Gegend / Dienstag den 18. Juni dieses 1715 Jahrs sich begeben / In einem Schreiben an einen guten Freund.  Anno MDCCXV» ist in gedruckter Form als Faltblatt überliefert.

XVII 4300/3

März / April 2015

Postkartengrüsse aus Winterthur

Wer schreibt schon eine Postkarte aus Winterthur? – Ganz schön viele Leute haben das getan, zumindest früher, wie unsere Postkartensammlung zeigt. Sie umfasst über 5000 Stück mit Winterthurer Sujets. Die einfache «Correspondenz-Karte» ohne Bild wurde Ende des 19. Jahrhunderts zur illustrierten Postkarte. Mit Bildern und wenigen Worten eine Botschaft zu übermitteln, war eine völlig neue Art der Kommunikation in einer Welt, in der die Fotografie noch in Kinderschuhen steckte und es weder Fernsehen noch andere Medien zur Verbreitung von Bildern gab. Die Postkartensammlung gibt einen bunten Einblick in diese Kommunikationsform, die heute im Zeitalter von SMS und MMS (leider) zunehmend an Bedeutung verloren hat.

Januar / Februar 2015

Fotografien aus dem Nachlass von Louise Witzig (1901-1969)

Wer hat schon mal etwas von Louise Witzig gehört? – Wohl die Wenigsten. Höchste Zeit, an eine Frau zu erinnern, die sich ein Leben lang für die Erforschung des volkstümlichen Kulturgutes eingesetzt hat und eine talentierte Fotografin war. Die 1901 in Winterthur geborene Trachten-, Volkstanz- und Brauchtumsforscherin war u.a. als Redaktorin des «Heimatleben», der Zeitschrift der Schweizerischen Trachtenvereinigung, und  als Hausfotografin für das Schweizer Heimatwerk tätig. Ein Teil ihres fotografischen Nachlasses liegt in der Sammlung Winterthur und umfasst zahlreiche Schwarzweissaufnahmen von Menschen in Trachten und beim Tanz, ebenso wie von Sylvesterkläusen und Fastnachtsfiguren aus dem Schweizer Brauchtum. Die Bilder zeichnen sich durch einen hohen dokumentarischen und fast schon künstlerischen Wert aus, ohne dass Louise Witzig jemals eine fotografische Ausbildung absolviert hätte.

ALBU 1.081/1-6

Dezember 2014

Weihnachtsgeschichten von Johannes Ninck (1863-1939)

«76 Jahre durftest du auf dieser Erde wirken, zuerst im Dienst der Kirche, dann im Amte eines Lehrers und endlich in der Berufung zum Schriftsteller, überall vielen zum Segen» heisst es zu Beginn der Gedenkschrift  für den Winterthurer Theologen Johannes Ninck. So enthält sein umfangreicher Nachlass nicht nur Predigten und theologische Schriften, sondern auch eine grosse Anzahl dichterischer Werke. Darunter auch etliche Weihnachtsgeschichten, die Ninck entweder selber schrieb oder aus anderen Sprachen frei übersetzte. Zu seinen eigenen Geschichten gehören etwa «Kaiser Ottos schönstes Weihnachtsfest», die von Schuld und Vergebung nach einem langen Bruderzwist erzählt, die Bekehrung von Herzog Widukind aus Sachsen zum Christentum in «Wittekinds erste Weihnacht» oder die «Weihnachtserinnerung an Bismarck», eine Lausbubengeschichte mit Happy-End.

Dep Ninck 9/22, 9/25, 9/38
Dep Ninck 11/26, 11/29, 11/30, 11/33

November 2014

Thierbuoch von Conrad Gessner (1516-1565)

Bei Konrad Gessners «Thier Buch» handelt es sich um einen Druck aus dem Jahr 1563, der in Zürich von Christoph Froschauer herausgegeben wurde. Gessner war eine Zürcher Arzt und Naturforscher. Sein Buch ist eine Darstellung aller um das Jahr 1550 bekannten Tier- und Pflanzenarten. Es erschien zuerst in lateinischer Sprache und wurde dann von Konrad Forrer in eine kürzere und populärere deutsche Ausgabe übertragen, um das Werk einem grösseren Leserkreis zugänglich zu machen. Das Werk war unter anderem für «Liebhaber der Künsten, Artzeten, Maleren, Bildschnitzern, Weydleüten und Köchen»  gedacht. Die Ausgabe enthält zahlreiche Holzschnitte mit Tierabbildungen. Neben Aussehen und Verhaltensgewohnheiten beschreibt Gessner den Nutzen für Ernährung und Medizin. Nicht nur die ihm bekannte Fauna wird behandelt, sondern auch Tiere «aus fernen Ländern», die Gessner nur von der Beschreibung anderer Naturforscher her kannte, wie zum Beispiel der Kamelpard (Giraffe). Sogar Wesen, von denen man gar nicht genau wusste, ob es sie wirklich gibt, kommen vor, zum Beispiel das Einhorn oder der Meerbischof.

E_447

Oktober 2014

Fotoalben von Leonie Moser

Der Nachlass der langjährigen leitenden Röntgenschwester am Kantonsspital Winterthur Leonie Moser (1897-1959) befindet sich schon einige Jahrzehnte im Bestand der Sammlung Winterthur. Vor kurzem wurde er neu bearbeitet und im Handschriftenkatalog erfasst. Besonderes Augenmerk verdienen Leonie Mosers Fotoalben. Sie geben Einblick in den Alltag im Kantonsspital  in den 1920er- bis 1950er Jahren.

Fotoalben von Leonie Moser, Dep LM 20, 21a, 22a

September 2014

Erstes Adressbuch der Stadt Winterthur von 1872

Adress- und Geschäftsbuch Winterthur 1872

Alte Adressbücher sind ein wahrer Fundus an Informationen über das Leben in einer Stadt und über ihre Bewohnerinnen und Bewohner. So auch die Adressbücher der Stadt Winterthur, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts erstmals erschienen. Zu dieser Zeit wuchs die Stadt aufgrund des rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs um ein Vielfaches über die Mauern der Altstadt hinweg an. Die bis dahin vorhandenen Bürgerverzeichnisse reichten nicht mehr aus, und das Bedürfnis, die grosse Anzahl neuer Einwohnerinnen und Einwohner sowie die Läden und Geschäfte über ein Adressverzeichnis erfasst zu haben, wuchs. 1872 erschien das erste Adressbuch der Stadt Winterthur. Daraufhin folgten in unregelmässigen Abständen alle paar Jahre neue Ausgaben.
Das «Adress- & Geschäfts-Handbuch» von 1872 enthält neben einem Stadtplan im ersten Teil historische und statistische Informationen zur Stadt Winterthur. Der zweite Teil umfasst ein alphabetisches Einwohnerverzeichnis und der dritte Teil eine alphabethische Auflistung aller Strassen mit Hausnummern. Diese gibt darüber Auskunft, wer wann und wo gelebt hat, und was er von Beruf war. Im vierten Teil werden Firmen und Geschäfte nach verschiedenen Branchen geordnet und alphabetisch aufgeführt. Im fünften Teil gibt es Hinweise zu öffentlichen Gebäuden und Informationen über Tarife aller Art, wie zum Beispiel der öffentlichen Bad- und Waschanstalt.
Im Unterschied zu den heutigen Adress- und Telefonbüchern war die Telefonnummer zu dieser Zeit noch kein Thema. In der Schweiz wurden 1877 erste Telefonversuche durchgeführt. Auch in den nachfolgenden Ausgaben der Adressbücher wird nur das Vorhandensein eines Telefons gekennzeichnet. Da die Vermittlung der Telefongespräche über eine Zentrale manuell erfolgte, waren bis weit ins 20. Jahrhundert keine Telefonnummern nötig.

 

Adress- und Geschäfts-Handbuch sowie Statistisches von Winterthur 1872. Mit lithogr. Plänen von Winterthur und Umgebung. Westfehling, Winterthur, 1872. Handbibliothek Studienraum

August 2014

Entwürfe für eine neue Nationalhymne von Antonio Tusa (1900-1982)

Es ist noch gar nicht so lange her, seit die Schweiz eine offizielle Nationalhymne hat. Der «Schweizerpsalm», 1841 komponiert von Alberich Zwyssig zu einem Text von Leonhard Widmer, wurde erst 1961 vom Bundesrat zunächst provisorisch und drei Jahre später definitiv zur offiziellen Nationalhymne erhoben. Davor behalf man sich mit dem Lied «Rufst du mein Vaterland». Dieses war aber wegen seiner Blutrünstigkeit umstritten und führte wegen seiner Melodie – die gleiche wie jene von Englands Nationalhymne «God Save the Queen» – immer wieder zu peinlichen Verwechslungen auf dem politischen und sportlichen Parkett.
Seit der Gründung des Bundesstaates 1848 gab es an die 1000 Hymnen-Vorschläge. Die jüngsten gehen auf einen Wettbewerb der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft im Jahr 2012 zurück, die den vielfach als zu schwülstig, zu fromm und zu schwierig kritisierten Text der Hymne durch einen neuen, von der Präambel der Bundesverfassung von 1999 beseelten und die heutige politische und kulturelle Vielfalt des Landes wiederspiegelnden ersetzen möchte.
Auch der Musiker Antonio Tusa (1900-1082), langjähriger Solocellist im Winterthurer Stadtorchester und Komponist, scheint mit dem «Schweizerpsalm» seine Mühe gehabt zu haben. In seinem Nachlass, der sich – (teilweise) als Teil des Archiv des Musikkollegiums – in der Sammlung Winterthur befindet, gibt es unter seinen Kompositionen ein gutes halbes Dutzend Vorschläge für eine neue Schweizer Nationalhymne. Zum Beispiel «Der Rütli Schwur», ein Hymnus für vierstimmigen Chor nach einem Text von Friedrich Schiller, komponiert Ende Juli 1961.

 

Nationalhymnenentwürfe von Antionio Tusa, Dep MK / Tusa 3-5

Juli 2014

Reisetagebücher von Elisabeth Schmid (1890-1977) aus den 1910er bis 1970er Jahren

Elisabeth Schmid wurde 1890 in Winterthur in eine alteingesessene Winterthurer Familie geboren. Nach dem sie mit Begeisterung als Krankenpflegerin im Kantonsspital Winterthur in der Chirurgischen Abteilung gearbeitet hatte und zur Hilfsschwester in den Operationssaal befördert worden war, wurde ihr Wunsch nach einem wissenschaftlichen Studium immer grösser. In der Folge schloss sie mit 26 Jahren die Maturitätsprüfungen ab und begann noch während des 1. Weltkrieges das Medizinstudium an der Universität Zürich. 1924 bestand sie das Staatsexamen. Während ihrer sieben Assistenzjahre war sie auch in Winterthur tätig, wo sie als erste Assistentin des Chefarztes operierte. 1930 eröffnete sie in Winterthur eine eigene spitalärztliche Praxis für Geburtshilfe und Gynäkologie am Rande des Stadtgartens, im Barockhaus «Zum Sulzberg». Mit dem Velo unterwegs, den «geburtshilflichen» Koffer auf dem Gepäckträger, half sie über 4000 Kindern auf die Welt zu kommen.
Um sich von ihrem intensiven Arbeitsalltag zu erholen, machte Elisabeth Schmid von den 1910er bis in die 1970er Jahre über 50 Reisen, unter anderem nach Italien, England, Griechenland, Schweden, Ägypten, bis nach Amerika und Mexiko. Über 30 Reisetagebücher erzählen davon. Die Tagebücher sind handschriftlich verfasst und beinhalten neben der Reiseroute und persönlichen Anekdoten auch kunsthistorische Studien, zahlreiche Illustrationen, Fotos und kleine Erinnerungsstücke.

 

Ms SchmidE

Juni 2014

Insektenaquarelle von Johann Rudolf Schellenberg

Was als Hobby angefangen hatte, machte den Winterthurer Maler und Illustrator Johann Rudolf Schellenberg (1740-1806) schliesslich berühmt: die naturwissenschaftliche Illustration, insbesondere die Darstellung von Insekten. Schon früh in seiner Laufbahn fing Schellenberg an, sich für die Entomologie zu interessieren, sowohl als Sammler wie auch als Zeichner. Da er die Entomologie und «diese Art Mahlerey» jedoch für eine Modeerscheinung hielt, widmete er sich zunächst nur in seinen «Erholungs- und Ruhestunden»  der Insektenmalerei. Erst in späteren Lebensjahren professionalisierte und kommerzialisierte er seine Liebhaberei und lieferte die Illustrationen zu zahlreichen wissenschaftlichen entomologischen Werken. Die Sammlung Winterthur besitzt nicht nur zahlreiche gedruckte Publikationen von Schellenberg-Illustrationen, sondern auch rund 4000 Blätter Insektenaquarelle, die ihm als Vorlage für seine Radierungen gedient hatten. Eine echte Zimelie, würde der/die BibliothekarIn sagen!

 

Insektenaquarelle von Johann Rudolf Schellenberg, Ms 8° 102-161a

Mai 2014

Schulreiseberichte aus den 1940er- und 1950er-Jahren

Das Original des Monats Mai ist dem Schulhaus Altstadt gewidmet, das am 23. Mai sein 150 Jahr-Jubiläum feiert. Noch nicht so alt, aber doch auch schon etwas in die Jahre gekommen sind die Schulreisebücher aus dem Nachlass des Primarschullehrers Joseph Höner (1894 1972), der von 1922 bis zu seiner Pensionierung Ende der fünfziger Jahre am Altstadtschulhaus unterrichtete. In 20 gebundenen Büchern hat Höner Aufsätze, Zeichnungen und Fotografien von seinen Schülerinnen und Schülern gesammelt, die über ihre Schulreisen in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts berichteten. „Mein Proviant“ lautet zum Beispiel ein Aufsatztitel. Und man erfährt, dass Würfelzucker und Zitrone damals zur Grundausstattung gehörte. Ansonsten scheinen sich die heutigen Schulreisen von den vergangenen nicht wesentlich zu unterscheiden. Hörnli, Pfannenstiel, Rheinfall, Rütli – die Reiseziele sind die gleichen geblieben, am Kiosk wurde «gchrämlet» und in den öffentlichen Verkehrsmitteln wurde es ziemlich laut.

 

Schulreisebücher aus dem Nachlass von Joseph Höner, Ms 8° 519-539 

April 2014

Gart der Gesundheit, 1486 / Hortus Sanitatis, 1497

Im April gibt es im Garten wieder viel Arbeit: Pflanzen müssen umgetopft, verschiedene Gemüsesorten und Kräuter vorgezogen oder direkt ins Freiland gesät werden. Gartenbücher unterstützen die Gärtner und Gärtnerinnen seit Jahrhunderten in ihrer Arbeit. Eines der ersten gedruckten Kräuterbücher und vermutlich das bedeutendste ist der «Gart der Gesundheit» von 1485. Es wurde in deutscher und lateinischer Sprache herausgegeben und gehört zu den wichtigsten mittelalterlichen Werken der Naturgeschichte und der Heilpflanzen. In 435 Kapiteln werden 382 Pflanzen, 25 Drogen aus dem Tierreich und 28 Mineralien dokumentiert. 1491ist die erweiterte lateinische Ausgabe erschienen. In der Sammlung Winterthur sind sowohl eine deutsche wie auch eine lateinische Ausgabe vorhanden. Das deutsche Exemplar aus dem Jahr 1486 von Michael Furter ist ein stark abgenutztes Buch mit handschriftlichem Register und zusätzlichen, von Hand geschriebenen Rezepten. Es ist vorstellbar, dass das Buch einem Apotheker gehörte und oft gebraucht wurde. Das lateinische Exemplar von Johann Prüss aus dem Jahr 1497 ist in einem sehr guten Zustand. Vermutlich war es ein Repräsentationsobjekt. Neben Pflanzen sind in der lateinischen Ausgabe auch Tiere abgebildet, darunter mehrere «Fabelwesen».

 

Furter, Michael, Gart der Gesundheit, Basel 1486-1490. Signatur:  C 53 / Prüss, Johann, Hortus Sanitatis, Strassburg, 1497. Signatur: C 968

März 2014

Froschbuch von August Johann Rösel von Rosenhof, 1758

Im März, wenn es wieder wärmer wird, verlassen die Frösche ihre Winterquartiere, magisch zieht es sie zu den Laichgewässern. Da ihre Wanderwege oft über Strassen führen, werden jährlich Tausende von ihnen überfahren, und es präsentiert sich das flachgedrückte Innenleben der armen Tiere auf offener Strasse. Ein anderer, weit angenehmerer  Zugang zur Anatomie der Frösche bietet der Naturforscher und Zeichner August Johann Rösel von Rosenhof (1705-1759). Er hat die Tiere sorgfältig seziert, abgezeichnet und gestochen. Entstanden ist ein prächtiges handkoloriertes Tafelwerk mit einem Vorwort vom Schweizer Arzt und Naturforscher Albrecht von Haller. 1758 in Nürnberg erschienen, gedruckt von Johann Joseph Fleischmann, ist es eine der ersten auf Beobachtung beruhende Beschreibung der Frösche und ihrer Lebensweise.

 

August Johann Rösel von Rosenhof, Die natürliche Historie der Frösche hiesigen Landes worinnen alle Eigenschaften derselben, sonderlich aber ihre Fortplflanzung umständlich beschrieben werden, Nürnberg 1758. Signatur: E 461

Februar 2014

Stereobild des Eisfelds Zelgli gegen Norden von 1905

Seit über hundert Jahren wird in Winterthur Schlittschuh gelaufen zuerst auf Natureisbahnen später auf Kunsteisfeldern. Die Inbetriebnahme der Eisflächen gestaltete sich nicht immer ganz einfach. In den 1870er Jahren legte der ein Jahr zuvor gegründete Winterthurer Schlittschuhclub (WSC), der älteste Eislauf-Club der Schweiz, auf dem Terrain der heutigen Rennweghallen ein Eisfeld an. 1879 übertrug der Stadtrat dem Club auf dem Zelgli zwei Eisfelder herzurichten und zu betreiben. Das Wasser für die Eisbahn wurde vom Mattenbach hergeleitet und der Boden mit Lehmeinschlämmung und Schilfbepflanzung abgedichtet. An den Wochenenden spielte die Blasmusik Märsche zur Unterhaltung der Eisläufer und Eisläuferinnen. In den 1950er Jahren wurden Stimmen laut die eine Kunsteisbahn forderten. 1957 konnte der Betrieb mit zwei künstlichen Eisfeldern, einer Tribüne, einem Restaurant und einem Garderobengebäude aufgenommen werden. In den 1970er Jahren wurde klar, dass nur ein überdachtes Eisfeld einen geregelten Betrieb der Eisfelder garantieren kann. Bis 2002 das Eisfeld ein Dach bekam, dauerte es allerdings noch eine ganze Weile, das Eisfeld musste dafür vom Zelgi an den Deutweg ziehen. Das Bild wurde mit einer Stereokamera aufgenommen und kann durch ein antikes Stereoskop betrachtet werden.

 

Bilderordner 5.7.1, Stereo Negativ 26b 

Januar 2014

Manuskript von J.C. Heers «Aus dem Dorfe Töss zu meiner Jugendzeit»

In «Aus dem Dorfe Töss zu meiner Jugendzeit» schildert der Tössemer Schriftsteller J.C. Heer das Leben in Töss in den 1860er und 1870er Jahren anhand von wiederkehrenden Ereignissen und Bräuchen im Jahreskreis. Im Januar war es der Bächtoldstag, der «Bächtelen», auf den sich die Jugend besonders freute. Während die Erwachsenen auf den Tanz gingen, trafen sich die Jungen zum Spielen und Schäkern in einer Bauernstube. Freinacht war angesagt. Und für die eine und den anderen sogar der erste Kuss! Weitere Eckdaten im Jahresverlauf waren neben den kirchlichen Feiertagen u.a. die Fasnacht, der 1. Mai, die Wümmet, der St. Niklaus und schliesslich der Sylvester. Dass Töss ein besonders singfreudiges Dorf war, ist zu erfahren, und auch, dass der «Chrugeler», der Dorfteil, in dem J.C. Heer aufgewachsen war, aus Sicht des Ober- und Niederdorfes gar nicht wirklich zu Töss gehörte. – J.C. Heers Handschrift ist sehenswert, wenn auch nicht ganz einfach zu entziffern. Darum legen wir dem Original des Monats gerne die gedruckte Form von 1952 bei.

 

Jakob Christoph Heer, «Aus dem Dorfe Töss zu meiner Jugendzeit» – Manuskript, Ms Kägi 17/4.

Dezember 2013

Wunschzettel an das Christkind von Georg Reinhart (1877-1955)

Ein Brief an das Christkind war vor über 100 Jahren eine Möglichkeit für Kinder, ihre Wünsche für unter den Weihnachtsbaum kund zu tun, so auch für Georg Reinhart, späterer Kulturförderer,  Geschäftsteilhaber und führender Geschäftsleiter der Winterthurer Handelsfirma Gebrüder Volkart AG. Der Knabe aus gut begütertem Elternhaus wünschte sich Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem einen «neuen Zeichnungsteck», ein «dickes Markenalbum» und  einen «Säbel». Dafür versprach der dem «Christkindlein», dass er den Eltern «das nächste Jahr mehr Freude» machen wolle.

 

Reinhart, Georg  Wunschzettel Ms Sch 88/8

November 2013

Gottlieb Tobias Wilhelm, Unterhaltungen aus der Naturgeschichte

Zum Abschluss des Winterthurer Kulturherbstes gewähren wir Einblick in eine ebenso unterhaltsame wie bilderreiche Naturgeschichte aus dem 18. Jahrhundert.

 

Gottlieb Tobias Wilhelm (1758-1811) war Pfarrer und Schriftsteller mit Schwerpunkt Naturgeschichte in Augsburg. Seit 1792 veröffentlichte er im Verlag seines Vaters, der Martin Engelbrechtschen Kunsthandlung, Band für Band der Unter-haltungen aus der Naturgeschichte, seinem Hauptwerk. Entstanden ist ein 27-bändiges Werk mit rund 1500 kolorierten Kupferstichen von namhaften Augsburger Kupferstechern. Das Themenspektrum reicht von den Mineralien bis zu den Menschen.

 

Gottlieb Tobias Wilhelm, Unterhaltungen aus der Naturgeschichte, Augsburg 1792-1828, Signatur: E 513

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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