Aktuelle Neujahrsblätter
Das Tagebuch der Malerin Sophie Schaeppie (1852–1921)
Eine Künstlerin der Belle Epoque zwischen Entfaltung und Pflicht
363. Neujahrsblatt
Die Winterthurer Malerin Sophie Schaeppi muss 1894 aus ihrer künstlerischen Heimat Paris nach Winterthur zurückkehren, um den väterlichen Haushalt zu führen. Sie nimmt hier rege am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teil, trotzdem macht ihr die Enge der Kleinstadt zu schaffen. In ihrem Tagebuch schreibt sie über die prekäre Künstlerexistenz in Paris und kommentiert - zum Teil mit spitzer Feder - das bürgerliche Leben in Winterthur um die Wende zum 20. Jahrhundert.
Elisabeth Nigg-Schaeppi und François Guex, eine Grossnichte und ein Urgrossneffe Sophie Schaeppis, haben aus den umfangreichen Texten eine informative und unterhaltende Auswahl getroffen und aus dem Französischen übersetzt.
Das Neujahrsblatt ist in der Stadtbibliothek und im Buchhandel erhältlich. Es kostet CHF 44.
Bier in Winterthur
Fritz Schoellhorn und die Brauerei Haldengut (1880–1930)
362. Neujahrsblatt
Beiträge von Dominik Landwehr, Kathrin Moeschlin, Nadia Pettannice, Andreas Schoellhorn und Claudia Sedioli. Redaktion: Claudia Sedioli, Grafik: Claudia Wehrli
Wie konnte eine mitten in den Weinbergen gelegene Brauerei die Winterthurer Bevölkerung zum Bierkonsum bringen? Wie kam ein Winterthurer Bierbrauer zum ETH-Ehrendoktortitel? Und wie steuerte er seinen Betrieb durch die Verheissungen der Industrialisierung, durch Arbeitskämpfe, Aktionen der Anti- Alkoholbewegung und die Umwälzungen des Ersten Weltkriegs?
Der Patron Fritz Schoellhorn (1863–1933) hat nicht nur die Winterthurer Brauerei Haldengut zum Erfolg geführt, sondern im ganzen schweizerischen Brauwesen eine wichtige Rolle gespielt. Er erforschte das Brauen aus naturwissenschaftlicher Sicht und entwickelte es vom Handwerk zur Technologie. Haldengut prägt die Stadt bis heute. Das Buch zeichnet die Geschichte des Biers in Winterthur nach und nähert sich Fritz Schoellhorn als Patron, Bürger, Familienvater und nicht zuletzt als Verfasser verschiedenster Publikationen an. Fotografien aus Privatbesitz öffnen ein Fenster in die Zeit zwischen 1880 und 1930.
Reisebriefe aus dem Orient
Die Berichte des Kaufmanns Bernhard Rieter (1824–1846)
361. Neujahrsblatt
Kommentiert von Vanja Hug
Die Reisebriefe des Winterthurer Kaufmanns Bernhard Rieter (1805–1883) sind lebendige und facettenreiche Beschreibungen von Land und Leuten in Griechenland, Ägypten, Indien und im fernen Osten. Rieters Blick ist kritisch, besonders auch gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der europäischen Herrschaft in den fernen Weltgegenden. Dies macht die Reisebriefe zu wichtigen Quellen zum Kolonialismus und zur Verflechtung von Schweizer Handelsfirmen mit den Kolonialmächten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Bernhard Rieter, Sohn einer Kaufmannsfamilie, verbrachte von 1824 bis 1828 gewissermassen seine «Gesellenjahre» im damals zum Osmanischen Reich gehörenden Ägypten. 1831 hielt er sich in Konstantinopel auf, und von 1843 bis 1846 unternahm er seine längste Reise, die ihn nach Griechenland, Indien, Singapur, Niederländisch-Indien (Indonesien, Java) und China (Macao) führte. Während all diesen Reisen schrieb er sechzig zum Teil sehr umfangreiche Briefe an seine Eltern und Geschwister in Winterthur. Sie sind lebendig verfasst und behandeln eine grosse Vielfalt von Themen: Sitten und Gebräuche, Handwerk der Einheimischen, kulturelle Sehenswürdigkeiten, Vegetation und Tierwelt, politische Ereignisse in Asien und Europa sowie Naturereignisse. Rieter beobachtete genau, urteilte differenziert und vertrat eine eigenständige Meinung. Er betrachtete die Folgen des Kolonialismus für die einheimische Wirtschaft und Bevölkerung mit kritischem Blick und schilderte sie mit grosser Offenheit. Hier werden die Reisebriefe erstmals in ihrer Gesamtheit kommentiert herausgegeben.
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